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Halbstetigkeit
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top
In der Mathematik heißt eine reellwertige Funktion f {\displaystyle f} oberhalbstetig (oder halbstetig von oben) in einem Punkt x {\displaystyle x} , wenn die Funktionswerte für Argumente nahe bei x {\displaystyle x} von x {\displaystyle x} ausgehend nicht nach oben springen. Wenn die Funktionswerte nicht nach unten springen, dann heißt die Funktion unterhalbstetig in x {\displaystyle x} (oder halbstetig von unten).

Contents

β€’ Definition
β€’ Beispiele
β€’ Literatur

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Definition

Sei X {\displaystyle X} ein topologischer Raum, x {\displaystyle x} in X {\displaystyle X} und f : : X β†’ β†’ R {\displaystyle f\colon X\to \mathbb {R} } eine reellwertige Funktion. f {\displaystyle f} heißt in x 0 {\displaystyle x_{0}} oberhalbstetig, wenn fΓΌr jedes Ξ΅ Ξ΅ > 0 {\displaystyle \varepsilon >0} eine Umgebung U {\displaystyle U} von x 0 {\displaystyle x_{0}} existiert, so dass f ( y ) < f ( x 0 ) + Ξ΅ Ξ΅ {\displaystyle f(y)<f(x_{0})+\varepsilon } fΓΌr alle y {\displaystyle y} in U {\displaystyle U} gilt. Ist X {\displaystyle X} ein Raum, in dem jede folgenstetige Funktion auch stetig ist, etwa ein metrischer Raum, so ist f {\displaystyle f} genau dann oberhalbstetig in x {\displaystyle x} , falls

lim sup y β†’ β†’ x f ( y ) ≀ ≀ f ( x ) {\displaystyle \limsup _{y\to x}f(y)\leq f(x)} .

f {\displaystyle f} heißt oberhalbstetig auf einer Teilmenge M {\displaystyle M} von X {\displaystyle X} , wenn sie in jedem Punkt x 0 ∈ ∈ M {\displaystyle x_{0}\in M} oberhalbstetig ist. Ist dabei M {\displaystyle M} der ganze topologische Raum X {\displaystyle X} , so heißt f {\displaystyle f} oberhalbstetig.

Analog heißt f {\displaystyle f} im Punkt x 0 {\displaystyle x_{0}} unterhalbstetig, wenn fΓΌr jedes Ξ΅ Ξ΅ > 0 {\displaystyle \varepsilon >0} eine Umgebung U {\displaystyle U} von x 0 {\displaystyle x_{0}} existiert, so dass f ( y ) > f ( x 0 ) βˆ’ βˆ’ Ξ΅ Ξ΅ {\displaystyle f(y)>f(x_{0})-\varepsilon } fΓΌr alle y {\displaystyle y} in U {\displaystyle U} . Ist X {\displaystyle X} ein Raum, in dem jede folgenstetige Funktion auch stetig ist, etwa ein metrischer Raum, so ist f {\displaystyle f} genau dann unterhalbstetig in x {\displaystyle x} , falls

lim inf y β†’ β†’ x f ( y ) β‰₯ β‰₯ f ( x ) {\displaystyle \liminf _{y\to x}f(y)\geq f(x)} .

f {\displaystyle f} heißt unterhalbstetig auf einer Teilmenge M {\displaystyle M} von X {\displaystyle X} , wenn sie in jedem Punkt x 0 ∈ ∈ M {\displaystyle x_{0}\in M} unterhalbstetig ist. Ist dabei M {\displaystyle M} der ganze topologische Raum X {\displaystyle X} , so heißt f {\displaystyle f} unterhalbstetig.

Zusammenhang der beiden Halbstetigkeitsbegriffe: Die Funktion f {\displaystyle f} ist genau dann oberhalbstetig in x 0 ∈ ∈ X {\displaystyle x_{0}\in X} bzw. auf M βŠ† βŠ† X {\displaystyle M\subseteq X} wenn βˆ’ βˆ’ f {\displaystyle -f} unterhalbstetig in x 0 ∈ ∈ X {\displaystyle x_{0}\in X} bzw. auf M βŠ† βŠ† X {\displaystyle M\subseteq X} ist.

Beispiele

Die Funktion f {\displaystyle f} mit f ( x ) = 0 {\displaystyle f(x)=0} fΓΌr x < 0 {\displaystyle x<0} und f ( x ) = 1 {\displaystyle f(x)=1} fΓΌr x β‰₯ β‰₯ 0 {\displaystyle x\geq 0} ist oberhalbstetig, aber nicht unterhalbstetig in x = 0 {\displaystyle x=0} . Denn entfernt man sich mit den Argumenten in negative Richtung von der 0, dann springen die Funktionswerte plΓΆtzlich von 1 auf 0, aber sie springen nicht nach oben, egal wohin man sich entfernt.

Die Gaußklammer ist oberhalbstetig, denn sie verhÀlt sich an jeder ganzen Zahl so wie die eben beschriebene Funktion f {\displaystyle f} .

Eigenschaften

Eine Funktion f {\displaystyle f} ist stetig in x 0 {\displaystyle x_{0}} genau dann, wenn sie dort halbstetig von oben und von unten ist. Dies folgt aus einer Umformulierung der Stetigkeitsbedingung, welche lautet, dass es zu jedem Ξ΅ Ξ΅ > 0 {\displaystyle \varepsilon >0} ein Ξ΄ Ξ΄ > 0 {\displaystyle \delta >0} gibt, sodass fΓΌr alle x {\displaystyle x} aus der Ξ΄ Ξ΄ {\displaystyle \delta } -Umgebung von x 0 {\displaystyle x_{0}} die Ungleichung | f ( x ) βˆ’ βˆ’ f ( x 0 ) | < Ξ΅ Ξ΅ {\displaystyle |f(x)-f(x_{0})|<\varepsilon } gilt. Diese ist Γ€quivalent zu βˆ’ βˆ’ Ξ΅ Ξ΅ ≀ ≀ f ( x ) βˆ’ βˆ’ f ( x 0 ) ≀ ≀ Ξ΅ Ξ΅ {\displaystyle -\varepsilon \leq f(x)-f(x_{0})\leq \varepsilon } . Hier bedeutet das linke Ungleichheitszeichen die untere Halbstetigkeit und das rechte Ungleichheitszeichen die obere Halbstetigkeit.

Sind f {\displaystyle f} und g {\displaystyle g} zwei in x {\displaystyle x} oberhalbstetige Funktionen, dann ist auch ihre Summe f + g {\displaystyle f+g} in x {\displaystyle x} oberhalbstetig. Sind beide Funktionen nichtnegativ in einer Umgebung von x {\displaystyle x} , dann ist auch das Produkt f g {\displaystyle fg} in x {\displaystyle x} oberhalbstetig. Die Multiplikation einer positiven oberhalbstetigen Funktion mit einer negativen reellen Zahl ergibt eine unterhalbstetige Funktion.

Ist D {\displaystyle D} eine kompakte Menge (zum Beispiel ein abgeschlossenes Intervall [ a , b ] {\displaystyle [a,b]} mit reellen Zahlen a < b {\displaystyle a<b} ) und f : : D β†’ β†’ R {\displaystyle f\colon D\to \mathbb {R} } oberhalbstetig, dann hat f {\displaystyle f} ein Maximum auf D {\displaystyle D} . Analoges gilt fΓΌr eine unterhalbstetige Funktion und ihr Minimum.

Sind die Funktionen f n : : X β†’ β†’ R {\displaystyle f_{n}\colon X\to \mathbb {R} } (fΓΌr alle n ∈ ∈ N {\displaystyle n\in \mathbb {N} } ) unterhalbstetig und ihr Supremum

f ( x ) := sup { f n ( x ) : n ∈ ∈ N } {\displaystyle f(x):=\sup\{f_{n}(x):n\in \mathbb {N} \}}

kleiner als ∞ ∞ {\displaystyle \infty } für jedes x {\displaystyle x} in X {\displaystyle X} , dann ist f {\displaystyle f} unterhalbstetig. Selbst wenn alle f n {\displaystyle f_{n}} stetig sind, muss f {\displaystyle f} aber nicht stetig sein.

Alternative Beschreibung

Durch eine geeignete Wahl einer Topologie auf R {\displaystyle \mathbb {R} } kΓΆnnen oberhalbstetige und unterhalbstetige Funktionen als stetige Funktionen aufgefasst werden, und somit lassen sich einige der Eigenschaften direkt aus allgemeinen Aussagen aus der Topologie herleiten.

O < := { ] βˆ’ βˆ’ ∞ ∞ , a [ ; a ∈ ∈ R βˆͺ βˆͺ { + ∞ ∞ } } βˆͺ βˆͺ { βˆ… βˆ… } {\displaystyle O_{<}:={\Big \{}\left]-\infty ,a\right[;a\in \mathbb {R} \cup \{+\infty \}{\Big \}}\cup \{\varnothing \}} ist eine Topologie auf R {\displaystyle \mathbb {R} } . Sei ( X , O ) {\displaystyle (X,O)} ein topologischer Raum. Eine Funktion f : : X β†’ β†’ R {\displaystyle f\colon X\to \mathbb {R} } ist genau dann oberhalbstetig, wenn f {\displaystyle f} als Abbildung ( X , O ) β†’ β†’ ( R , O < ) {\displaystyle (X,O)\to (\mathbb {R} ,O_{<})} stetig ist.

FΓΌr unterhalbstetige Funktionen verwendet man analog die Topologie O > := { ] a , ∞ ∞ [ ; a ∈ ∈ R βˆͺ βˆͺ { βˆ’ βˆ’ ∞ ∞ } } βˆͺ βˆͺ { βˆ… βˆ… } {\displaystyle O_{>}:={\Big \{}\left]a,\infty \right[;a\in \mathbb {R} \cup \{-\infty \}{\Big \}}\cup \{\varnothing \}} .

Schwach halbstetige Funktionen

Eine Verallgemeinerung der halbstetigen Funktionen sind die schwach halbstetigen Funktionen. Sei X {\displaystyle X} ein normierter Raum und S βŠ‚ βŠ‚ X {\displaystyle S\subset X} eine Teilmenge. Eine Funktion oder ein Funktional f : : X βŠƒ βŠƒ S β†’ β†’ R {\displaystyle f\colon X\supset S\to \mathbb {R} } heißt

β€’ schwach unterhalbstetig auf der Menge S {\displaystyle S} , wenn fΓΌr jede Folge ( x n ) n ∈ ∈ N {\displaystyle (x_{n})_{n\in \mathbb {N} }} in S {\displaystyle S} , die schwach gegen ihren schwachen Grenzwert x ~ ~ ∈ ∈ S {\displaystyle {\tilde {x}}\in S} konvergiert, gilt, dass

lim inf n β†’ β†’ ∞ ∞ f ( x n ) β‰₯ β‰₯ f ( x ~ ~ ) {\displaystyle \liminf _{n\to \infty }f(x_{n})\geq f({\tilde {x}})} .

β€’ schwach oberhalbstetig auf der Menge S {\displaystyle S} , wenn fΓΌr jede Folge ( x n ) n ∈ ∈ N {\displaystyle (x_{n})_{n\in \mathbb {N} }} in S {\displaystyle S} , die schwach gegen ihren schwachen Grenzwert x ~ ~ ∈ ∈ S {\displaystyle {\tilde {x}}\in S} konvergiert, gilt, dass

lim sup n β†’ β†’ ∞ ∞ f ( x n ) ≀ ≀ f ( x ~ ~ ) {\displaystyle \limsup _{n\to \infty }f(x_{n})\leq f({\tilde {x}})} .

Beispielsweise sind stetige quasikonvexe Funktionen schwach unterhalbstetig. Γ„quivalent zur schwachen Unterhalbstetigkeit einer Funktion ist, dass ihr Epigraph eine schwach folgenabgeschlossene Menge ist. Schwach unterhalbstetige Funktionen spielen eine wichtige Rolle in der Optimierung, da sie auf schwach folgenkompakten Mengen immer ein Minimum annehmen.

Literatur

β€’ Carl Geiger, Christian Kanzow: Theorie und Numerik restringierter Optimierungsaufgaben. Springer-Verlag, Berlin Heidelberg New York 2002, ISBN 3-540-42790-2.